Michael Schäfer bei der Inspektion eines Atemschutzgeräts

Mein Name ist Michael Schäfer, ich bin 56 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter, die aber inzwischen von zu Hause ausgezogen ist. Ich bin in Bad Nauheim geboren und aufgewachsen und arbeite als Lagerist bei den Stadtwerken Bad Nauheim. Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr bin ich seit 42 Jahren, erst in der Jugendfeuerwehr, danach dann im Einsatzdienst in der Abteilung Kernstadt.

Wie bist du zur Feuerwehr gekommen?

Als ich 9 oder 10 Jahre alt war gab es in Bad Nauheim ein großes Feuerwehrfest mit Umzug durch die Stadt. Das fand ich so toll, dass ich unbedingt mitmachen wollte. Damals durfte man erst ab 14 Jahren in die Jugendfeuerwehr eintreten (Anmerkung: heute bereits ab 10 Jahren), also musste ich die Zeit bis dahin noch warten. Als es aber dann so weit war bin ich mit zwei Freunden zusammen in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Mit 17 kam dann der Übertritt in die Einsatzabteilung.


Was hat dich in der Feuerwehr gehalten?

Wir sind damals eine ganze Gruppe gewesen, die von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung übernommen wurde. Man hat uns dann auch als Gruppe belassen, mit Gruppenführer und Stellvertreter aus den eigenen Reihen. Zusammen mit den Aktivitäten neben der Feuerwehr hat das schon zusammengeschweißt, wenn so ein ganzer Freundeskreis alles miteinander teilt. Das ist heute auch noch so.


Was ist deine liebste Position im Feuerwehreinsatz?

Im Einsatz habe ich keine liebste Position. Alle Aufgaben sind wichtig und ich gebe da mein Bestes, wo ich gebraucht und eingesetzt werde. Mein Feuerwehrdienst endet offiziell in etwa drei Jahren, mit 60 ist Schluss, da lasse ich als altgediente Führungskraft gerne den jüngeren Gruppenführern den Vortritt. Da können die ihre Erfahrungen sammeln und ich stehe ihnen dann gerne mit Rat und Tat zur Seite. Abseits der Einsätze bin ich seit dem Jahr 1994 Kreisausbilder für Atemschutz, da mich das Thema seit meinen Anfängen in der Feuerwehr schon immer fasziniert und nie losgelassen hat.


Kreisausbilder für Atemschutz, kannst du das genauer erklären?

Atemschutzgeräteträger sind die Feuerwehrleute, die mit Atemluftflasche auf dem Rücken und Maske auf dem Gesicht in brennende Häuser und Wohnungen laufen, um Menschen zu retten und die Brände zu löschen. Für diese besondere Tätigkeit muss ein eigener Lehrgang absolviert werden, der auf Ebene des Wetteraukreises angeboten und in Bad Nauheim durchgeführt wird. Für diesen Lehrgang bin ich einer von aktuell acht Ausbildern.


Wie funktioniert Feuerwehr und Familie für Dich? Gab es Probleme, zum Beispiel nach der Geburt deiner Tochter?

Ich bin in der glücklichen Lage, dass das für uns nie ein Problem war. Meine Frau hat mich als Feuerwehrmann kennengelernt und wusste, auf was sie sich einlässt (lacht). Natürlich habe ich nach der Geburt unserer Tochter etwas den Fuß vom Gas genommen und die ein oder andere Übung geschwänzt, das ist doch ganz klar. Feuerwehr ist teilweise recht zeit- und arbeitsintensiv, wenn da der familiäre Rückhalt nicht vorhanden ist, klappt es einfach nicht. Ich hatte immer die Unterstützung meiner Familie, wofür ich sehr dankbar bin.


Was würdest Du jemandem sagen, der glaubt, er oder sie sei nicht für die Feuerwehr geeignet?

Die Freiwillige Feuerwehr ist nicht die Bundeswehr, jeder kann und darf zu uns kommen und es ausprobieren. Es muss auch nicht jeder in brennende Häuser rennen. Das geht nur, wenn draußen Leute stehen die dafür sorgen, dass Wasser aus dem Strahlrohr kommt. Ich kenne Einsatzkräfte die haben Höhenangst. Auch für die gibt es genug zu tun, neben der Bedienung einer 30 Meter langen Drehleiter. In der Feuerwehr gibt es für alle einen Platz, man muss einfach nur vorbeischauen.